Mai 26, 2024

Bronze-Rückkehr in Prince George

5 Jahre ist es her, dass unsere Sportlerin Johanna Recktenwald mit der Bronze-Medaille bei der Para-Biathlon-WM in Prince George erstmals international auf sich aufmerksam machen konnte. Nun fand die Weltmeisterschaft wieder in dem kanadischen Wintersport-Ort statt. Während sie damals jedoch noch als „Küken“ und ohne allzu viel Erfahrung in die WM-Rennen ging, war sie in dieser Saison als amtierende Vize-Weltmeisterin im Biathlon-Einzel eine der Medaillenkandidatinnen. Dementsprechend wollte sie auch bei ihrem zweiten Besuch in Prince George wieder auf dem Podium stehen.

Fehlerfrei zur Medaille

Die erste Chance auf Edelmetall hatte Johanna im Biathlon-Sprint. Dort ging sie läuferisch direkt forsch an und konnte beim ersten Besuch am Schießstand gleich alle fünf Scheiben treffen. Fehlerfrei ging sie damit zwischenzeitlich als Führende vor ihren Teamkolleginnen Leonie Walter und Linn Kazmaier auf die zweite Laufrunde. Auch wenn sie auf der zweiten Laufrunde ein wenig Zeit auf ihre Teamkolleginnen verlor, kam sie dicht hinter ihnen zum zweiten Schießen.

Dort blieb sie auch ein zweites Mal fehlerfrei und ging so nur fünf Sekunden hinter Platz zwei und 14 Sekunden hinter Platz eins auf die letzte Runde. Auch wenn sie dort am Ende nicht mehr an Gold und Silber heranlaufen konnte, verteidigte sie gegen die Ukrainerin Natalia Tkachenko ihren dritten Platz und sicherte sich so gleich im ersten WM-Rennen ihre erste Medaille.

Bitteres Ende nach chaotischem Einzel

Beflügelt von der Medaille im Sprint, wollte Johanna im Einzelwettkampf gleich die nächste Medaille folgen lassen. Doch das Rennen startete erst einmal mit einer Menge Chaos: Beim ersten Schießen funktionierten einige der Laser-Schießstände nicht, was zu Verwirrung und Verzögerungen führte. Auch Johanna kam durch dieses hin und her aus dem Rhythmus und verfehlte beim ersten Schießen eine Scheibe, sodass sie auf Position vier auf ihre nächste Laufrunde ging. Beim zweiten Schießen konnte sie hingegen fehlerfrei bleiben und lag somit zur Rennhälfte wieder auf Medaillenkurs.

Bei den letzten beiden Besuchen am Schießstand blieb jedoch erneut jeweils eine Scheibe bei Johanna stehen. Damit ging sie nun unmittelbar hinter der Ukrainerin Natalia Tkachenko auf die Schlussrunde. Aufgrund von Problemen mit der Zeitnahme bekamen Johanna und ihr Trainerteam jedoch die Information, dass Johanna uneinholbar hinter der Ukrainerin zurückliegen würde. Erst im Ziel stellte sich heraus, dass der tatsächliche Rückstand von Johanna nur wenige Sekunden betrug, doch da war es schon zu spät. Am Ende fehlten Johanna nach einem turbulenten Rennen 10 Sekunden auf eine weitere Bronzemedaille.

Zweite WM-Medaille zum Abschluss

Das letzte Einzelrennen der Weltmeisterschaften in Prince George war eine sogenannte Sprint-Verfolgung. Bei dem neuartigen Wettkampfformat stand zu Beginn des Tages erst ein verkürztes Sprintrennen auf dem Programm auf dessen Basis im Anschluss die Startabstände für das Verfolgungsrennen ermittelt wurden. Johanna bestätigte schon in der Qualifikation ihre eigentlich gute Form und erreichte die drittbeste Zeit in ihrer Startklasse hinter ihren Teamkolleginnen Linn Kazmaier und Leonie Walter.

Im Verfolgungsrennen selbst sah es dann schon nach dem ersten Schießen nach einer weiteren WM-Medaille für Johanna aus. Denn während bei Natalia Tkachenko zwei Scheiben stehen blieben, konnte Johanna alle fünf Ziele treffen. Somit ging sie mit einem deutlichen Vorsprung auf ihre zweite Runde. Auch beim zweiten und zugleich letzten Besuch am Schießstand behielt sie ihre weiße Weste und hatte somit schon auf der Schlussrunde ihre nächste WM-Medaille sicher. Durch einen Fehler von Teamkollegin Leonie Walter bestand sogar noch die Minimalchance auf Silber, doch an die laufstarke Freiburgerin kam Johanna nicht mehr heran.

Weitere Podestplätze beim Weltcup-Finale

Bereits wenige Tage nach dem Ende der Weltmeisterschaften ging es in Prince George mit den letzten Weltcup-Rennen des Winters weiter. Während es zu Beginn der Weltmeisterschaften noch eisige Temperaturen von weit unter -10°C gegeben hatte, wurden die Bedingungen dabei immer wärmer und frühlinghafter.

Und auch beim ersten Rennen nach der WM zeigte Johanna sich beim Mitteldistanzrennen im Biathlon noch in absoluter WM-Form. Mit nur einem Fehler bei 20 Schuss lag sie im Ziel auf Platz 2, erhielt jedoch im Nachhinein wegen eines angeblich nicht abgegebenen Schusses noch eine Zeitstrafe von 2 Minuten und fiel somit hauchdünn hinter ihre Teamkollegin Leonie Walter zurück. Trotz dieses bitteren Endes ein Fingerzeig, dass Johanna zukünftig auch noch die beiden übrigen Stufen des Podiums angreifen könnte.

In den drei abschließenden Langlauf-Rennen der Saison ging Johanna auch noch einmal an den Start und konnte sowohl im Einzel über 5 km, als auch im Sprint und im Massenstart wieder als drittplatzierte auf dem Podium landen.

Mit gutem Gefühl in die Rad-Saison

Am Ende der Biathlon-WM stehen für Johanna und ihren Guide Pirmin Strecker somit insgesamt 2 Medaillen in 3 Einzel-Rennen – Eine Bilanz mit der die beiden wohl zufrieden sein können. Hinzu kommen weitere 4 Podiumsplätze in den letzten 4 Weltcuprennen, die viel Hoffnung für die nächsten Jahre und insbesondere die Winterspiele in Cortina 2026 machen. Jetzt steht für Johanna allerdings erst einmal – nach einer kurzen Verschnaufspause in der Heimat – ihre zweite Radsaison an. An Motivation dafür dürfte es ihr nach den guten Ergebnissen aus diesem Winter nicht fehlen.

Johanna Recktenwald bei ihrem letzten Saisonrennen über 20 km bei frühlingshaften Temperaturen